Hühnerbrühe selber kochen – einfaches Rezept für 3–4 Liter
- Beitrag vom 03.01.2026
- Jahreszeit Immer
- Technikgrad Minimal
- Kosten DIY ~ 10%-40% billiger
- Regional 100%
Eigentlich lebe ich seit über 30 Jahren vegetarisch. Ich esse kein Fleisch und nichts, was daraus gemacht ist – also auch keine Wurst und keine Fleischbrühe. Das hat nichts mit Strenge oder Dogmen zu tun, sondern kommt aus einem tiefen inneren Antrieb heraus und ich weiß: Wenn mir irgendwann wirklich nach Fleisch wäre, würde ich es einfach essen. Ohne schlechtes Gewissen, ohne Ersatzprodukte – dann richtig!
Dann kam dieser Winter. Nasskalt, grau, Grippesaison. Mich hatte es richtig erwischt. Innerhalb einer Stunde war ich komplett weg. Eben noch halbwegs aufrecht, lag ich auf dem Sofa, unfähig aufzustehen. Mir war gleichzeitig eiskalt und schweißtreibend heiß, der Kopf dröhnte, die Glieder taten weh und dieses diffuse Gefühl stellte sich ein, dass der Körper gerade die Kontrolle übernommen hat und nichts mehr verhandelbar ist. Andreas war besorgt und wollte mir helfen. In einer meiner kurzen Wachphasen erzählte er mir von einem alten Hausrezept seiner Mutter: eine kräftige Hühnerbrühe, langsam gekocht, wenn jemand völlig ausgelaugt war. Vorsichtig fragte er, ob ich mir so etwas überhaupt vorstellen könnte.
Ich erinnere mich noch gut an meine Antwort – leise, ziemlich schwach: „Ich kann es ja einmal versuchen.“ Mehr Energie hatte ich nicht. Andreas fuhr los, besorgte alles Nötige und während ich fiebrig schlief, stand die Brühe stundenlang auf dem Herd und zog ganz in Ruhe vor sich hin.
Als ich später aufwachte, roch die ganze Küche danach – würzig, klar, tröstlich. Ich setzte mich zittrig an den Tisch, nahm einen ersten vorsichtigen Löffel und musste kurz innehalten. Das schmeckte nicht nur gut, das schmeckte richtig gut: intensiv, rund, wohltuend bis in den Bauch. Vielleicht, weil alle Sinne gerade besonders offen waren. Vielleicht, weil mein Körper genau das gebraucht hat. Jedenfalls war das der Moment, in dem sich zum ersten Mal wieder ein kleines bisschen Kraft zurückmeldete. Nicht schlagartig – aber ganz eindeutig spürbar.
Und genau darum geht es hier. Nicht um Grippe oder Wunderheilung, sondern um eine gute, ehrliche Hühnerbrühe. Um Grundnahrung, die wärmt, stärkt und einfach gut tut.
Warum Brühe?
Brühe gehört zu den ältesten Grundnahrungsmitteln überhaupt. Sie war da, lange bevor es Brühwürfel, Gläser oder Tetrapaks gab. Und sie ist auch heute noch da – nur kommt sie für viele inzwischen aus dem Regal.
Das ist völlig nachvollziehbar. Fertigbrühe ist schnell, praktisch und zuverlässig. Sie funktioniert im Alltag.
Wenn ihr aber verstehen wollt, wie Brühe eigentlich entsteht, was wirklich in ihr steckt und warum es sich manchmal lohnt, sie selbst zu kochen, dann seid ihr hier richtig.
Wann lohnt sich Selbermachen?
Selbstgemachte Brühe lohnt sich, wenn ihr:
– wissen möchtet, was drin ist
- über die Qualität der Zutaten bestimmen wollt
– eine Basis für mehrere Gerichte braucht
– Reste verwerten wollt (Karkassen, Gemüseabschnitte)
– Zeit habt, da ihr ohnehin
zu Hause seid
Sie lohnt sich nicht, wenn ihr:
– spontan kochen wollt
– keinen Platz zum Einfrieren habt
– einfach nur schnell eine Suppe machen möchtet
Qualität und Kosten für Hühnerbrühe
Auch bei den Kosten lohnt sich ein kurzer Blick hinter die Kulissen. Ein gutes Bio-Suppenhuhn kostet zunächst deutlich mehr als ein Glas Fertigfond aus dem Supermarkt. Rechnet man jedoch ehrlich nach, relativiert sich das schnell: Aus einem Huhn entstehen mehrere Liter kräftige Brühe, oft genug für mehrere Mahlzeiten oder zum Einfrieren. Industrieller Fond besteht dagegen größtenteils aus Wasser, Salz und Aromen – und ist pro Liter am Ende oft teurer, als man denkt. Selbstgekochte Brühe nutzt das ganze Tier und lässt sich genau nach eurem Geschmack würzen.
Dabei liefert die selbstgemachte Brühe nicht nur die Flüssigkeit: Nach dem Abseihen bleibt verwertbares Fleisch übrig, ideal für Suppeneinlagen, Frikassee, Ragouts, Salate oder Pastasaucen. Auch das mitgekochte Gemüse ist kein Abfall, sondern kann weiterverwendet werden. Bei gekauftem Fond ist davon nichts enthalten – ihr bezahlt nur für Flüssigkeit und Aroma. Selbst gemachte Hühnerbrühe liefert also mehrere Komponenten auf einmal und verwandelt einen Einkauf in mehrere Mahlzeiten. Sie ist keine Sparmaßnahme, aber auch kein Luxus – eher eine bewusste Entscheidung für Qualität, Geschmack und die Kontrolle über alles, was im Topf landet.
Suppenhuhn oder Hähnchen?
Suppenhuhn
Ein Suppenhuhn ist in der Regel eine ältere Legehenne, die nach ihrer Legephase geschlachtet wird. Sie ist größer, schwerer und hat zähes, festes Fleisch mit intensivem Geschmack. Dieses Fleisch enthält mehr Kollagen und Fett, was zu einer besonders aromatischen und kräftigen Brühe führt. Suppenhühner eignen sich hervorragend für langes Kochen, wie in Suppen oder Fonds, da das Fleisch durch das langsame Garen weich wird. Sie sind jedoch nicht ideal zum Braten oder Grillen, da das Fleisch sonst hart bleibt.
Herkunft: Der Großteil der in Deutschland produzierten Suppenhühner stammt mittlerweile aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung.
| Merkmal | Bodenhaltung | Freilandhaltung | Biohaltung |
|---|---|---|---|
| Auslauf ins Freie | Nein | Ja (4 m²/Tier) | Ja (4 m²/Tier) |
| Tiere im Stall/m² | bis zu 9 | bis zu 9 | max. 6 |
| Futter | Konventionell | Konventionell | Ökologisch (Bio) |
| Tageslicht | oft nur künstlich | Ja (durch Auslauf) | Ja (vorgeschrieben) |
Zusammengefasst bedeutet das:
Ein Huhn aus Bodenhaltung hatte keinen Auslauf und oft nur künstliches Licht.
Ein Huhn aus Biohaltung hatte während seiner Zeit als Legehenne mehr Platz im Stall und ökologisches Futter.
Hähnchen (Brathähnchen/Broiler)
Ein Hähnchen (oft auch Brathähnchen oder Broiler genannt) ist ein junges Masthuhn, das speziell für die Fleischproduktion gezüchtet wird. Es ist kleiner, zarter und hat mildes, saftiges Fleisch, das sich perfekt zum Braten, Grillen oder Backen eignet. Die Brühe aus Hähnchen ist weniger intensiv im Geschmack, da das Fleisch weniger Bindegewebe enthält.
Herkunft: Der Großteil - rund 90 % - der Masthähnchen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (SB-Regal) stammen aus der Haltungsform Stufe 2 (Stallhaltung Plus: Den Tieren steht mindestens 10 % mehr Platz zur Verfügung als im gesetzlichen Standard vorgeschrieben aber die Tiere leben trotzdem in geschlossenen Ställen ohne Zugang zu Freigelände oder Außenklima)
In der Praxis heißt das ganz einfach:
Für eine kräftige, klassische Hühnerbrühe greift ihr zu einem
Suppenhuhn.
Ein Hähnchen eignet sich dagegen besser für Gerichte, die schnell garen und am Ende schön knusprig sein sollen.
Wir haben das Glück, unser Bio-Suppenhuhn direkt beim Bauernhof im Nachbarort (Unterlichtenberger Str. 3, 93164 Anger) zu bekommen – keine drei Kilometer von uns entfernt. Wir kennen den Hof, sehen die Hühner draußen laufen und wissen, wie sie gehalten werden. Das gibt uns ein gutes Gefühl und macht die Suppe am Ende nicht nur geschmacklich, sondern auch insgesamt stimmig.
Hühnerfleisch richtig handhaben
Rohes Hühnerfleisch kann Keime enthalten und muss immer vollständig durchgegart werden. Waschen unter fließendem Wasser gehört dabei nicht dazu.
Auch wenn es sich sauberer anfühlt: Beim Abspülen verteilen sich Keime über Spritzwasser auf Spüle, Arbeitsflächen und andere Lebensmittel. Fachstellen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung raten deshalb ausdrücklich davon ab. Sauber wird das Fleisch nicht durch Wasser, sondern durch Hitze.
Stattdessen reicht es, das Fleisch mit Küchenpapier vorsichtig abzutupfen und dieses sofort zu entsorgen. Danach Hände, Messer und Schneidebrett gründlich mit warmem Wasser und Seife reinigen. Wer ausnahmsweise Rückstände entfernen muss (etwa bei einer ganzen Karkasse), arbeitet besser in einer Schüssel mit Wasser – nicht unter dem laufenden Hahn – und reinigt anschließend alles sorgfältig.
Keime wie Salmonellen oder Campylobacter lassen sich nicht „abwaschen“. Erst vollständiges Durchgaren – mindestens 70 °C im Kern für zwei Minuten – macht Hühnerfleisch sicher. Ein angenehmer Nebeneffekt: Abgetupftes Fleisch bräunt später besser und gart gleichmäßiger.
Zutaten für 3–4 Liter Hühnerbrühe
Für die Suppe
Gemüse (Suppengrün)
Zum Garnieren
Aus eigenem Anbau
- Zwiebel gelb
- Lauch Blauer Winter
- Sellerie Monarch
- Möhren Nantaise 2
- Krause Petersilie Mooskrause 2
Zubereitung: Hühnerbrühe Schritt für Schritt
- 1 Suppenhuhn vorbereiten: Das Hühnerfleisch gründlich waschen. Wenn ihr ein ganzes Huhn habt, den Bürzel (Fettdrüse am Schwanz) entfernen.
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2 Gemüse vorbereiten: Möhren, Lauch, Sellerie, Zwiebel und Petersilienwurzel putzen und grob schneiden – nicht zu fein, da es lange kocht.
Tipp zu den Zwiebeln:
Variante 1: Zwiebeln in einer Pfanne ohne Fett anröstenn, bis die Schnittflächen braun sind. Das gibt mehr Aroma und Farbe.
Variante 2: Viele kochen die Zwiebeln mit Schale, weil das eine goldene Farbe ergibt.
Wir machen beides nicht – Geschmackssache. -
3 Optional, aber bewährt:
Andreas ist mit Hühnern aufgewachsen. Hausschlachtung gehörte damals ganz selbstverständlich dazu – nichts Besonderes, sondern Teil des Alltags. Aus dieser Zeit stammt auch eine einfache, bewährte Methode, die wir bis heute genau so übernehmen:
Wasser in einem großen Topf aufkochen und das rohe Huhn darin für 3 Minuten blanchieren, dann herausnehmen und das Wasser wegschütten. So ist der erste Schaum schon weg, das Huhn 'desinfiziert' und evtl. noch vorhandenen letzte Federkiele lassen sich mühelos entfernen.
Keine Sorge: Der Geschmack geht dabei nicht verloren. Der entsteht erst später, beim langen, sanften Köcheln.
Nach dem Abbrühen darf das Fleisch kurz auskühlen. Eine Hühnerbrühe wird kalt aufgesetzt. -
4 Alles in den Topf: Hähnchen, Gemüse, Gewürze und Salz in einen großen Topf (mindestens 8 Liter) geben. Mit kaltem Wasser bedecken (ca. 4–5 Liter).
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5 Aufkochen und köcheln: Topf ohne Deckel zum Kochen bringen. Sobald es kocht: Hitze stark reduzieren.
Deckel auflegen, einen Spalt offen lassen. Bei kleiner Hitze 2–4 Stunden sanft köcheln lassen.
Wichtig: Nicht stark kochen. Die Brühe soll leicht blubbern, nicht wild sprudeln. Sonst wird sie trüb und fettig.
Je länger sie köchelt, desto intensiver der Geschmack. 2 Stunden reichen. 4 Stunden sind besser. -
6 Schaum abschöpfen: Während des Köchelns bildet sich Schaum an der Oberfläche. Das ist Eiweißschaum, der sich an der Oberfläche sammelt. Ihr müsst nicht perfektionistisch sein, aber ein paar Mal
abschöpfen macht die Brühe klarer.
Wenn ihr Punkt 3 (Blanchieren) durchgeführt habt, bildet sich nahezu kein Schaum und ihr müsst nicht abschöpfen. -
7 Absieben: Topf vom Herd nehmen und Huhn herausheben. Das Fleisch könnt ihr später als Einlage für die Suppe, als Ragout oder Sandwich verarbeiten.
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8 Brühe durch ein feines Sieb gießen. Wer es besonders klar mag: durch ein sauberes Küchentuch oder Mulltuch sieben.
Wichtig: Wenn ihr kein Suppenhuhn, sondern Hähnchenteile verwendet habt, können Knochensplitter in der Brühe sein. Auch deshalb immer absieben!
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9 Das Gemüse ist nach mehreren Stunden Kochen ausgelaugt. Ihr könnt es natürlich essen, wenn ihr mögt. Wir verwenden meist Möhren und Sellerie als Einlage. Den zerkochten Rest entsorgen wir
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10 Abschmecken und entfetten: Brühe mit Salz abschmecken. Abkühlen lassen – das Fett steigt nach oben und wird fest. Ihr könnt es abschöpfen (für eine leichtere Brühe) oder drin lassen (für mehr
Geschmack).
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11 Garnieren und servieren: Frische Petersilie fein hacken und kurz vor dem Servieren in die Brühe geben.
Beliebte Einlagen: Nudeln, Reis, Grießklößchen, Gemüsewürfel, Fleischstücke vom Suppenhuhn.
Häufige Fragen und was dahintersteckt
Die Brühe ist trüb – was ist passiert?
Die Brühe hat zu stark gekocht. Eiweiß und Fett wurden aufgewirbelt, statt sich zu setzen.
Das ist kein Fehler im engeren Sinn. Die Brühe schmeckt trotzdem. Sie sieht nur nicht klar aus.
Wenn euch das stört: nächstes Mal Hitze niedriger, Schaum öfter abschöpfen.
Die Brühe schmeckt fad – warum?
Mögliche Gründe:
– Zu viel Wasser
– Zu kurz gekocht
– Zu wenig Salz
– Fleisch war zu mager (wenig Kollagen)
Salz ist wichtig. Brühe braucht mehr Salz, als ihr denkt. Schmeckt zwischendurch ab. (Orientierung: ca. 1 TL pro Liter)
Wenn die Brühe fertig ist und trotzdem fad schmeckt: weiter köcheln lassen, bis sie reduziert ist. Oder beim nächsten Mal weniger Wasser verwenden.
Die Brühe ist sehr fettig – ist das normal?
Ja. Fett ist Geschmacksträger. Ein Suppenhuhn hat Fett – das ist gewollt.
Wenn ihr es nicht mögt: nach dem Abkühlen das Fett abschöpfen. Es lässt sich auch aufbewahren und später zum Anbraten verwenden.
Die Brühe ist geliert – ist sie schlecht?
Nein. Das Gegenteil. Gelierte Brühe ist ein Zeichen für viel Kollagen – also für eine gute Brühe.
Beim Erhitzen wird sie wieder flüssig. Das ist gewollt.
Kann man die Brühe aus Karkassen/Resten machen?
Ja. Karkassen, Flügel, Hälse und Reste vom Suppenhuhn eignen sich gut (-> siehe nächste Frage: Unterschied Brühe und Fond). Auch Gemüseabschnitte (z. B. Karottenschalen, Lauchenden) können nach dem Säubern mitgekocht werden. Ohne Fleisch wird die Suppe allerdings weniger intensiv.
Wichtig: Nur frische Reste verwenden. Alte, angefangene oder verdorbene Teile verderben die Brühe.
Was ist er Unterschied zwischen Hühnerbrühe und Hühnerfond?
Der Unterschied zwischen Hühnerbrühe und Hühnerfond liegt vor allem in Kochzeit, Intensität und Verwendung.
Eine Hühnerbrühe wird meist aus einem ganzen Suppenhuhn mit Gemüse gekocht und etwa zwei Stunden sanft geköchelt. Das Fleisch bleibt essbar und wird oft als Einlage genutzt. Die Brühe ist mild, rund im Geschmack und meist schon leicht gesalzen – ideal zum direkten Trinken, als wärmende Suppe oder für einfache Gerichte.
Ein Hühnerfond wird länger gekocht, oft aus Knochen oder Karkassen, um möglichst viel Geschmack herauszulösen. Er ist kräftiger, konzentrierter und in der Regel ungesalzen. Gedacht ist er vor allem als Basis für Saucen, Risotto, Eintöpfe oder Suppen – nicht zum puren Löffeln.
Im Alltag werden beide Begriffe oft vermischt. Eine gute Brühe kann einen Fond ersetzen, nur eben etwas weniger intensiv.
Aufbewahrung und Verwendung
Im Kühlschrank
3–4 Tage haltbar. In einem verschlossenen Behälter aufbewahren.
Einfrieren
In Portionen (z. B. 500 ml) einfrieren. Eiswürfelformen eignen sich für kleine Mengen (z. B. zum Ablöschen). Hält mehrere Monate.
Einkochen
Brühe heiß in sterile Gläser füllen, verschließen und im Wasserbad einkochen (ca. 90 Minuten bei 100 °C). Hält dann 1–2 Jahre.
Wofür ihr die Brühe verwenden könnt
– als Basis für Suppen (Gemüsesuppe, Nudelsuppe, Risotto)
– zum Ablöschen von Gemüse oder Fleisch
– für Soßen (statt Wasser oder Fond)
– pur, als Getränk (z. B. bei Erkältungen)
– zum Kochen von Reis, Couscous
oder Quinoa (statt Wasser)