Tomaten abhärten und vor Spätfrost schützen (Oberpfalz)
Beitrag vom
17.12.2025
Jahreszeit
APR-JUN
Technikgrad
Minimal
Jedes Jahr spüren wir die Ungeduld und das Kribbeln, wenn die Tomaten-Jungpflanzen auf der Fensterbank richtig loslegen und der Frühling in der Oberpfalz noch auf sich warten lässt. In den letzten Jahren haben wir viel ausprobiert,
um unsere Tomatenpflanzen optimal auf die Herausforderungen des Freilandanbaus vorzubereiten. Hier sind Spätfröste keine Seltenheit und die Wetterkapriolen stellen selbst erfahrene Gärtner vor Herausforderungen.
In diesem Artikel zeigen wir euch Schritt für Schritt, wie wir Tomaten entspannt abhärten, auf herausfordernde Freilandbedingungen vorbereiten und sie bei Spätfrost sicher schützen. Unser Ziel: robuste Pflanzen, kräftige Wurzeln, frühe Blüten und eine
lange Saison ohne Rückschläge.
Abhärten – der wichtigste Schritt vor dem Auspflanzen
Irgendwann wird es auch auf der sonnigsten Fensterbank zu eng. Spätestens jetzt beginnt eine Phase, die über den späteren Erfolg im Freiland mitentscheidet: das Abhärten.
Abhärten bedeutet: Tomatenpflanzen über 10-14 Tage schrittweise an UV-Licht, Wind und Temperaturschwankungen gewöhnen, um Stress beim Auspflanzen zu vermeiden und robuste Zellstrukturen aufzubauen.
Vorbereitung drinnen für starke Pflanzen draußen
In der Anzuchtphase im Haus achten wir darauf, dass die Tomaten kompakt und stabil bleiben. Viel Licht ist dabei das A und O – bei Bedarf helfen wir mit einer LED-Pflanzenlampe nach. Zusätzlich stellen wir die Pflanzen eher kühl bei etwa 15–18 °C und
lassen die Erde zwischen den Wassergaben leicht abtrocknen. Das regt die Wurzelbildung an und verhindert mastiges Wachstum.
Jede Tomate hat bei uns genug Platz im Topf und wächst in einem lockeren Substrat aus Gartenerde mit etwas Kompost. Düngen ist in dieser Phase nicht nötig. Wer trotzdem düngen möchte, sollte sehr zurückhaltend vorgehen – zu viel Nahrung macht die Pflanzen
weich und instabil.
Übrigens: Manche Sorten sind von Natur aus robuster gegen Kälte. Buschtomaten wie 'Siberia' oder 'Glacier' tolerieren niedrigere Temperaturen besser als wärmeliebende Fleischtomaten.
Wann mit dem Vorziehen starten?
Damit die Tomatenpflanzen zum richtigen Zeitpunkt bereit fürs Abhärten sind, beginnen wir in der Oberpfalz zwischen Mitte Februar und Anfang März mit der Aussaat. Von der Keimung bis zu kräftigen,
gut entwickelten Jungpflanzen vergehen etwa 6–8 Wochen. Ab Mitte April, wenn die Temperaturen tagsüber verlässlich über 10 °C liegen, kann dann mit dem Abhärten begonnen werden. Nach weiteren 10–14 Tagen sind die Pflanzen
bereit fürs Freiland – ideal nach den Eisheiligen Mitte Mai.
Wer zu früh aussät, bekommt lange, dünne Pflanzen, die auf der Fensterbank leiden. Wer zu spät startet, verschenkt wertvolle Wochen der Saison. Alle Details zur Aussaat, zum Pikieren und zur richtigen Pflege auf der Fensterbank findet ihr in unserem ausführlichen
Artikel
Wir starten damit, sobald die Temperaturen tagsüber zuverlässig über 10 °C liegen.
Statt die Tomaten auf einen Schlag nach draußen zu stellen, werden sie schrittweise an Sonne, Wind und Temperaturschwankungen gewöhnt. Der Abhärtungsprozess dauert in der Regel 10–14 Tage. Entscheidend ist dabei weniger ein fixes Datum als das Wetter: Sobald es draußen passt, kann jederzeit mit dem Abhärten begonnen werden – und bei Bedarf macht man einfach eine Pause, wenn das Wetter wieder kippt.
Wichtig: kein Regen und keine pralle Mittagssonne. Nasse, kühle Erde fördert Fäulnis und direkte Sonne würde die zarten Blätter verbrennen, die bisher nur Fensterlicht kennen.
Mitte April in der Oberpfalz: Abhärten der Jungpflanzen
Phase 1: Vorsichtig an Licht & Luft heranführen
Die Pflanzen kommen an einen hellen, geschützten Platz – zum Beispiel an die Hauswand oder auf den Balkon. Wir starten mit 1–2 Stunden ohne direkte Mittagssonne, ideal sind Vormittag oder später Nachmittag. Schritt für Schritt verlängern wir die Zeit
draußen. Sonne, Wind und Temperaturwechsel trainieren das Pflanzengewebe und machen die Jungpflanzen widerstandsfähig. Nachts bleiben die Tomaten drinnen oder kommen in einem temperiertes Gewächshaus. Nach ein bis zwei Wochen vertragen
die Pflanzen auch volle Sonne problemlos.
Phase 2: Sonne & Wind zulassen
Jetzt dürfen die Tomaten länger raus: etwa 4–6 Stunden, gern mit etwas Wind, aber nur wenig. Wir drehen die Töpfe regelmäßig, damit die Pflanzen gerade wachsen. Erste direkte Sonne ist erlaubt, auch mittags – dabei beobachten wir die Blätter genau. Leichte
Verfärbungen an älteren Blättern sind normal, bei schlaffen Pflanzen brechen wir ab.
Unsere Jungpflanzen genießen die frische Luft und die Frühlungssonne
Phase 3: Ganze Tage draußen
Die Pflanzen stehen nun tagsüber vollständig draußen. Nachts bleiben sie nur draußen, wenn die Prognose stabil über 8 °C liegt, sonst kommen sie wieder rein. In dieser Phase festigt sich das Gewebe, die Blätter werden dicker und die Tomaten deutlich
robuster.
Optional Phase 4: Generalprobe am finalen Standort
Wenn ihr Tomaten an einem neuen Standort pflanzen wollt, kann dieser Schritt sinnvoll sein. Bevor ihr endgültig auspflanzt, stellt die Töpfe für ein bis zwei Tage an den späteren Platz im Beet. So lassen sich Wind, Schattenwurf, starke Mittagshitze oder
Staunässe nach Regen gut einschätzen.
Passt euch das Mikroklima noch nicht, könnt ihr den Standort jetzt noch um ein paar Meter verschieben oder gezielt nachhelfen – etwa mit einem Windschutz, Tomatenhauben, Vlies oder einer kleinen „Hecke“ aus anderen Pflanzen. Diese Generalprobe spart später
oft Stress und sorgt für einen besseren Start im Freiland.
Gießen und Düngen während des Abhärtens
Tomaten reagieren mit weichem Gewebe, wenn sie zu feucht stehen. Wir gießen deshalb nur alle paar Tage, und zwar immer morgens ein bisschen, nie abends, besonders nicht vor kühlen Nächten. Auf gar keinen Fall sollte Wasser im Topf
stehen bleiben. Gedüngt wird bei uns in der Anzuchtphase überhaupt nicht. Wer trotzdem etwas geben will, der wartet besser, bis die Pflanzen draußen sind und richtig loswachsen – dann reicht eine schwache Jauche oder eine kleine
Portion organischer Dünger. Zu viel Stickstoff macht frostempfindlich.
Worauf wir täglich achten
Blattfarbe, Haltung, Wuchsrichtung: Blassgrün und weiche Stängel bedeuten zu wenig Licht oder zu viel Wasser. Eingedrehte Blätter bei Sonne sind oft ein Zeichen für plötzliche UV-Belastung; dann sofort beschatten.
Schwarze Flecken nach kalten Nächten zeigen Kälteschäden: betroffene Blätter entfernen, Pflanze warm stellen und geduldig sein.
Hier fassen wir das Ganze noch einmal kurz und übersichtlich als Orientierung zusammen – eher als Checkliste, denn als starre Anleitung.
Tomaten abhärten – die Checkliste
Abhärtung über mindestens 10–14 Tage einplanen
Mit dem Abhärten beginnen, sobald das Wetter es zulässt – nicht nach Kalender
Langsam steigern: erst Stunden, dann halbe Tage, dann ganze Tage
Direkte Mittagssonne erst nach einigen Tagen zulassen
Wind ist erlaubt – Sturm nicht
Nachts nur draußen lassen, wenn die Temperaturen stabil über 8 °C bleiben
Bei Kälteeinbrüchen oder Dauerregen pausieren und später weitermachen
Pflanzen beobachten: schlaff = Schritt zurück
Auspflanzen ins Freiland – Geduld zahlt sich aus
Sind die Tomaten gut abgehärtet und die Nächte dauerhaft frostfrei, haben die Pflanzen den größten Teil der Umstellung bereits hinter sich. Ab diesem Punkt geht es nicht mehr um Gewöhnung, sondern um den richtigen Moment für den Schritt ins Beet.
Der richtige Zeitpunkt zum Auspflanzen
So gut die Tomaten jetzt auch aussehen mögen: In der Oberpfalz pflanzen wir erst aus, wenn wirklich keine Fröste mehr zu erwarten sind. Der Zeitraum nach den Eisheiligen dient dabei als grobe Orientierung – entscheidend sind aber die tatsächlichen Bedingungen
vor Ort.
Mitte Mai - Endlich dürfen die Tomaten ins Freiland
Bewährt haben sich für uns diese Eckpunkte: eine Bodentemperatur von mindestens 12 °C, nächtliche Temperaturen nur selten unter 6 °C und eine frostfreie 5-Tage-Wetterprognose. Wer früher starten möchte, braucht zusätzlichen Schutz, etwa durch
Tunnel, Hauben oder ein doppeltes Vlies.
Beim Pflanzen setzen wir die Tomaten bewusst tief ins Beet und entfernen die unteren Laubblätter. So können sich am Stängel zusätzliche Wurzeln bilden, was die Pflanzen stabiler macht und die Wasserversorgung verbessert.
Mikroklima gezielt nutzen
Hauswände, Mauern oder Schuppen speichern Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab. Beete an der Südseite erwärmen sich schneller und sind meist besser vor Wind geschützt. Kaltluftstellen im Garten – etwa Senken, offene Flächen oder Durchzugsschneisen
– meiden wir.
Mulch bringen wir erst aus, wenn der Boden wirklich warm ist. So kann sich die Erde zuvor durch die Sonne aufheizen und die Tomaten starten mit besseren Bedingungen ins Wachstum.
Wie wir unsere Tomaten im Freiland vor Spätfrost schützen
Nach den Eisheiligen ist bei uns in der Oberpfalz noch lange kein Verlass auf stabiles Sommerwetter. Spätfröste können auch im Mai und manchmal sogar noch im Juni auftauchen. Tomaten reagieren darauf empfindlich – schon ein paar Frostgrade reichen, um
Blätter und junge Triebe zu schädigen. In dieser Phase schauen wir deshalb abends noch einmal bewusst auf die Wetter-App.
Sobald nachts Temperaturen unter etwa 5 °C angekündigt sind, werden wir aktiv. Drohen rund 2–3 °C greifen wir zu einfachen, bewährten Mitteln. Wenn die Tomaten schon größer sind und an Stäben stehen, hat sich bei uns Vlies oder eine Gartendecke
bewährt.
Schutz vor Spätfrost: Unser Werkzeugkasten
Vlies (30–50 g/m²): Wir hängen das Vlies locker wie ein Zelt über die Tomatenstöcke, lassen aber seitlich genug Platz, damit die Blätter nicht direkt am Vlies anfrieren können. Unten beschweren wir es mit ein paar
Steinen, damit der Wind es nicht wegweht. Tagsüber lüften, sobald die Sonne herauskommt, sonst staut sich Hitze.
Bodenschutz: Ein 2–3 cm dicker, trockener Mulch aus gehäckseltem Stroh oder Rasenschnitt (vorgedorrt) schützt die oberen Wurzeln vor Kältespitzen.
Wärmequellen: Heißes Wasser in Flaschen, abends zwischen die Pflanzen gestellt, puffert Kälte. Kerzen sind nur in ausreichend belüfteten, brandsicheren Konstruktionen sinnvoll!
Folientunnel: Seit März 2025 haben wir noch eine zusätzliche Option im Garten: maßgefertigte Tunnelbögen aus der lokalen Schlosserei. Eigentlich sind sie für unser Hochbeet gedacht. Mit einer stabilen Gewächshausplane
überspannt, starten wir dort schon im Februar mit frühem Gemüse wie Radieschen, Rettich oder Rucola.
Unsere maßgefertigten Tunnelbögen überspannt mit einer dicken Gewächshausplane auf dem Hochbeet
Ab Mai brauchen wir den Schutz im Hochbeet nicht mehr – und genau dann werden die Bögen zur spontanen Frostreserve für unsere Tomaten. Wenn es nochmal kritisch wird und die Pflanzen noch klein genug sind (also noch ohne Stab), bauen wir daraus kurzerhand
einen Folientunnel über den Tomaten. Die Plane beschweren wir wie immer mit Steinen, damit sie auch bei Wind zuverlässig liegen bleibt.
Wichtig: Sobald morgens die Sonne rauskommt, wird gelüftet. So vermeiden wir Hitzestau und Kondenswasser. Wer es einfacher möchte, kann solche Folientunnel auch fertig kaufen oder nur die Tunnelbögen aus beschichtetem Stahl besorgen und eine passende
Gewächshausplane separat dazu nehmen.
Eimer und Mörtelkuften: Als Vorgänger Lösung bevor wir den Folientunnel hatten, haben wir Eimer aus Hartplastik oder 90l Mörtelkübel umgedreht über die Pflanzen gestürzt. Das war viele Jahre bei uns die
bewährte Lösung. Unten häufelten wir ein bisschen Erde drumherum, damit er fest steht und richtig abdichtet, und schon waren die Pflanzen gut geschützt vor kalten Nächten. Das Ganze war total unkompliziert, kostet praktisch nichts
– die Kübel haben wir eh rumstehen – und hat uns immer zuverlässig durch die riskanten Nächte gebracht. Wenn ihr also keine großen Abdeckungen habt, fangt einfach damit an, was ihr habt!
Tomatenhauben: Hatten wir selbst noch nicht im Einsatz und sind hier der Vollständigkeit halber erwähnt. Fertige Tomatenhauben aus Kunststoff oder Vlies sind im Handel erhältlich und bieten eine einfache Möglichkeit, einzelne Pflanzen zu schützen.
Wenn der Frühling zurückrudert: Frostschutz in der Praxis
Ein gutes Beispiel dafür war der 28. Mai 2022. Die Eisheiligen waren längst vorbei, alles stand in voller Blüte – und trotzdem wurden für die Nacht Minusgrade gemeldet. Also haben wir unsere Tomaten abends mit dickem Vlies abgedeckt. Das war zwar eine
ordentliche Portion Arbeit, aber sie hat sich gelohnt: Das Vlies hielt die Kälte zuverlässig ab und die Pflanzen kamen ohne Schäden durch die Nacht.
Wichtig ist danach, den Schutz wieder zu entfernen. Tagsüber brauchen die Tomaten Licht, Luft und Bewegung. So überstehen sie auch kalte Nächte gut, ohne dass das Wachstum ausgebremst wird.
Auch Ende Mai kann es in der Oberpfalz noch Nachtfröste geben
Zwischen Hoffnung und Frost: Unsere Tomaten im April
Zwei Jahre später, im April 2024, hat uns das Wetter wieder gezeigt, wie wichtig Frostschutz sein kann. Das Frühjahr war ungewöhnlich früh warm, die Nächte stabil frostfrei. Wir hatten ein paar Tomatenpflanzen übrig und dachten uns: Probieren wir es einfach.
Einige Pflanzen durften schon Anfang April ins Freiland. Wenn das Wetter so bleibt, haben sie einen ordentlichen Vorsprung – und wenn nicht, können wir immer noch schützen. Außerdem standen noch genug Pflanzen sicher im Haus.
Ein Blick ins Gartentagebuch vom
17. April 2024 zeigt allerdings, dass das eher mutig als vernünftig war. Die Meteorologen kündigten die Rückkehr des Winters an. Also wurden
die Tomaten abends kurzerhand umquartiert – nicht ins Haus, sondern unter umgedrehte
90-Liter-Mörtelkübel.
Diese Kübel sind bei uns echte Allrounder: Sie transportieren Grünschnitt, Kompost und Rindenmulch, lagern Sand, Kies oder Holzspäne. An diesem Abend wurden sie zu temporären Winterquartieren für unsere Tomaten.
Die Pflanzen waren noch klein genug, um problemlos darunter zu passen. Mit zusätzlichem Vlies umhüllt und Biberschwanzziegeln beschwert, damit der Wind keine Chance hatte, boten die Kübel zuverlässigen Schutz vor der Kälte. Am nächsten Morgen standen
die Tomaten da, als wäre nichts gewesen.
Doch nur wenige Tage später, am 22. April 2024, folgte das echte Drama. Morgens strahlend blauer Himmel – und ein weißes Winterwunderland. Eine Woche zuvor war ich noch barfuß durch den Garten gelaufen, jetzt lag Schnee. Die Obstbäume standen in voller
Blüte und das grüne Gärtnerherz blutete. Unsere Tomaten mussten fast zehn Tage unter ihren Mörtelkübeln ausharren, bis Schnee und Oberpfalz-Frost endlich verschwanden.
Die Bilanz war gemischt, aber lehrreich: Etwa die Hälfte der ausgepflanzten Tomaten und Paprika überstand dank Vlies, Plastikeimern und Kübeln zehn Tage mit Schnee, Eis und Minusgraden. Die andere Hälfte hatte es nicht geschafft oder ging in den Tagen
nach dem Entfernen der Abdeckungen ein. Die Überlebenden zeigten später weder einen sichtbaren Vorteil noch einen Nachteil – sie wuchsen ganz normal weiter, genauso wie die Pflanzen, die im Haus geblieben waren.
Unser Fazit daraus
Unser Fazit aus all dem: Tomaten lassen sich im Freiland gut schützen, wenn man aufmerksam bleibt und rechtzeitig reagiert. Oft reichen ganz pragmatische Lösungen aus. Umgedrehte Mörtelkübel in Kombination mit Vlies haben unsere Pflanzen zuverlässig vor
Frost, Schnee und eisigem Wind bewahrt, vorausgesetzt, die Abdeckungen sind gut beschwert und sitzen sicher. Entscheidend ist dabei weniger Hightech als tägliches Beobachten. Pflanzen, die mehrere Tage unter Schutz standen und
das überstanden haben, wachsen anschließend ganz normal weiter.
Unsere Spätfrost-Checkliste
Abends Wettervorhersage prüfen, besonders im Mai und Juni
Ab etwa 5 °C aufmerksam werden, unter 3 °C aktiv schützen
Spätestens am Nachmittag vor der Kälte Vlies bereitlegen, Hauben schließen, Tunnel vorbereiten
Vlies, Gartendecken, umgedrehte Eimer, Kisten oder Mörtelkübel als Schutz einsetzen
Abdeckungen immer gegen Wind beschweren
Bei stärkerem Frost ein zweites Vlies auflegen oder Wasserflaschen als Wärmespeicher dazulegen
Tunnel und Abdeckungen abends schließen und nach der Frostnacht früh lüften
Schutz morgens wieder entfernen, sobald es frostfrei ist
Lieber einmal zu viel schützen als einmal zu spät reagieren
Welche Schutzmaßnahmen bei welchen Temperaturen?
Temperatur
Maßnahme
5-8°C
Beobachten, kein Schutz nötig
2-5°C
Vlies (30-50 g/m²)
-1 bis 2°C
Doppeltes Vlies + Hauben
< -2°C
Folientunnel/Mörtelkübel + Vlies
Wettervorhersage – Zwischen Himmel, App und Bauchgefühl
Irgendwann im Frühjahr entwickeln wir alle ein ziemlich feines Gespür fürs Wetter. Klarer Himmel, kaum Wind, trockene Luft – für viele ein Traum, für uns oft ein Warnsignal. Genau solche Nächte bringen in der Oberpfalz gerne Bodenfrost. Spätestens im
Mai und Juni erwischen wir uns dabei, wie wir öfter auf die Wetter-App schauen als auf die Uhr.
Wir haben gelernt, der Prognose nicht blind zu vertrauen. Die nächste Station meldet beruhigende 4 °C aber unser Thermometer zeigt am nächsten Morgen zuverlässig zwei bis drei Grad weniger. Wetterstationen
messen eben in zwei Metern Höhe, während unsere Tomaten bodennah leben – und dazu kommt noch das gute alte Mikroklima mit Kaltluft, offenen Flächen und allem, was nachts so schön auskühlt. Gerade rund um den Gefrierpunkt entscheiden
diese Kleinigkeiten darüber, ob wir ruhig schlafen oder abends nochmal mit Vlies und Kübeln durchs Beet stapfen.
Deshalb schauen wir nicht nur auf eine Vorhersage, sondern vergleichen mehrere und hören am Ende auf unser Bauchgefühl. Wenn die Prognose grenzwertig ist, schützen wir lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Ein Vlies zu viel schadet nicht – eine frostige
Nacht ohne Schutz dagegen sehr wohl. Und am Ende gilt: Die App ist ein hilfreicher Hinweis, aber den Blick in den eigenen Garten ersetzt sie nicht.
Wie lange dauert das Abhärten von Tomaten? Das Abhärten sollte mindestens 10–14 Tage dauern, um die Pflanzen langsam an die Außenbedingungen zu gewöhnen.
Was tun, wenn ein plötzlicher Kälteeinbruch droht? In diesem Fall sollten die Tomatenpflanzen abends mit Vlies oder anderen Abdeckungen geschützt werden, um Schäden durch Frost zu vermeiden.
Kann ich Tomaten auch bei kühlerem Wetter abhärten? Ja, aber es ist wichtig, die Pflanzen langsam an die kühleren Temperaturen zu gewöhnen und sie nicht zu lange draußen zu lassen, wenn es sehr kalt ist.
Sollte ich während des Abhärtens düngen? Es ist besser, während des Abhärtens nicht zu düngen, da dies die Pflanzen stressen kann. Wenn Sie düngen möchten, verwenden Sie eine sehr schwache Lösung.
Wie erkenne ich, ob meine Tomatenpflanzen bereit zum Auspflanzen sind? Die Pflanzen sollten robust aussehen, mit dicken Blättern und starken Stängeln. Außerdem sollten die nächtlichen Temperaturen stabil
über 8 °C liegen.
Was mache ich, wenn meine Tomatenpflanzen Anzeichen von Kälteschäden zeigen? Entfernen Sie beschädigte Blätter und stellen Sie die Pflanzen an einen wärmeren Ort. Beobachten Sie sie genau und schützen Sie
sie bei weiteren Kälteeinbrüchen.
Wie kann ich meine Tomaten im Freiland vor Spätfrost schützen? Verwenden Sie Vlies, Gartendecken oder umgedrehte Eimer/Kübel als Schutz. Achten Sie darauf, die Abdeckungen morgens wieder zu entfernen, damit
die Pflanzen Licht und Luft bekommen.
Was sind typische Fehler?
Zu früh pflanzen, weil ein sonniger Tag lockt. Zu viel Stickstoff für schnelle Masse. Vlies direkt auf Blättern, sodass sie festfrieren. Abhärten überspringen und die Pflanzen von 20 °C Fensterbank in 6
°C Abendluft setzen. Oder: Tunnel nicht lüften, sodass sich Feuchte und Pilze freuen. Wir bleiben konsequent bei kleinen Schritten.
Ab Mitte Februar beginnt bei uns das Tomatenjahr auf der Fensterbank. Winzige Samen – ausgesät in Anzuchterde, warm und gleichmäßig feucht gehalten, bis die ersten Keimlinge auftauchen. Nach dem Pikieren ziehen die Pflanzen
ans helle Südfenster und mit etwas Glück und Pflege landen die ersten Tomaten schon ab Juli auf unserem Teller. Selbst vorziehen macht nicht nur Spaß, sondern spart auch eine Menge Geld.
Wenn die Tomatenpflanzen den ganzen Sommer über gepflegt wurden und die Ernte richtig in Fahrt kommt, stellt sich ganz automatisch die nächste Frage: Wohin mit all den reifen Früchten? Spätestens jetzt wandert der Fokus vom
Beet in die Küche. Unsere einfache Tomatensauce besteht im Grunde nur aus reifen Tomaten und einer Prise Salz – mehr braucht es nicht, um den vollen Geschmack einzufangen. Ein Grundrezept, das sich je nach Lust und Küche
weiterentwickeln lässt.
Kommt mit an den Gartentorzaun und werft einen Blick in unseren kleinen 100-m²-Garten. Kein Instagram-Perfektionismus, dafür viel echtes Gartenglück, Bio-Gemüse, Geduld – und die ein oder andere kleine Panne. Wir erzählen einfach,
wie wir’s machen, und vielleicht nehmt ihr euch die eine oder andere Idee für eure eigene grüne Ecke mit.