Material – was du wirklich brauchst (und was du dir sparen kannst)
Saatgut und worauf du beim Kauf achten solltest
Qualität zuerst: Frisches, hochwertiges Saatgut keimt zuverlässig. Bio-Saatgut ist nachhaltig, konventionelles oft chemisch behandelt. F1-Hybriden bringen hohe Erträge, samenfeste Sorten lassen sich selbst nachziehen. Achtet auf Aussaat- und Erntezeiten, Pflanzentiefe und Herkunft – regionales Saatgut passt oft besser zum Klima. Wir kombinieren selbst gewonnenes Saatgut mit bewährten Sorten und testen jedes Jahr neue, um die besten Ergebnisse zu sichern.
Für unsere Erfahrungen, Lieblingssorten und Tipps für besonders robuste Sorten geht’s hier zum ausführlichen Artikel.
Anzuchterde – die beste Erde für deine Tomaten-Jungpflanzen
Eine gute Anzuchterde ist die Grundlage dafür, dass eure Keimlinge kräftig und gesund heranwachsen. In den ersten Wochen entwickeln sich die Wurzeln – und genau da entscheidet sich, wie widerstandsfähig die Pflanzen später werden. Dafür braucht es eine Erde, die leicht, locker und eher nährstoffarm ist. Zu viele Nährstoffe würden die Keimlinge zwar schnell nach oben treiben, aber sie bleiben dann oft dünn und instabil.
Ihr könnt natürlich fertige Anzuchterde kaufen. Ab Mitte Februar gibt es sie bei vielen Discountern oft zu richtig guten Preisen. Weil wir selbst nur kleine Mengen brauchen, greifen wir meist zu diesen Angeboten. Wenn ihr etwas Platz habt, lohnt es sich, dann gleich für die nächste Saison mitzunehmen. Einfach trocken lagern – und im neuen Gartenjahr habt ihr euren Vorrat schon startklar.
Anzuchterde selber mischen – unser 0-€-Rezept
Manchmal mischen wir auch selbst, wenn gerade alles Nötige da ist. Das geht ganz unkompliziert: 1/3 gesiebter Kompost, 1/3 Gartenerde und 1/3 Sand oder alte Blumenerde. Dazu ein paar Hände Hornspäne oder etwas Kaffeesatz – mehr braucht es nicht. Die Mischung ist locker, gut durchlüftet und ideal für feine Wurzeln. Das funktioniert genauso zuverlässig wie jede gekaufte Anzuchterde.
Töpfe, Gefäße und Anzuchtschalen
Ihr könnt einfach stabile Anzuchtschalen aus dem Handel nehmen – die mit durchsichtigem Deckel sind super praktisch, halten lange und lassen sich jedes Jahr wieder benutzen.
Noch einfacher und komplett kostenlos: Wiederverwendet durchsichtige Lebensmittelverpackungen! Gemüseschalen aus dem Supermarkt, Beerenboxen, Salatboxen oder ähnliches funktionieren hervorragend. Wichtig ist nur, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann – falls keine Löcher im Bodenlöcher vorhanden sind, einfach mit einem spitzen Gegenstand ein paar Löcher einstechen. Fertig!
Mehr Infos zu passenden Gefäßen und praktischen Lösungen findet ihr hier: Kreative Möglichkeiten für eure Anzucht »
Ist eine Pflanzenlampe nötig oder reicht das Oberpfälzer Fenster?
Ob ihr eine Pflanzenlampe braucht, hängt stark von euren Bedingungen ab: Wie viele Pflanzen ihr vorzieht, wie viel Platz ihr habt, wohin eure Fenster zeigen und wie hell es dort wirklich ist.
In den meisten Fällen reicht ein helles Südfenster völlig aus. Auch ein gutes Ost- oder Westfenster bringt genug Licht.
Wir nutzen in den ersten Wochen eine LED-Pflanzenlampe, weil unsere Südfenster für die Anzucht nicht ideal liegen. Die im Schlafzimmer fallen für uns grundsätzlich weg und die im Wohnbereich sind im Winter so warm, dass die Keimlinge dort schnell in die Höhe schießen würden. Dazu kommt, dass wir viele verschiedene Pflanzen vorziehen und das Licht an trüben Tagen nicht für alle gleichmäßig reicht.
Mit der Zusatzlampe gleichen wir diese ersten Wochen erfolgreich aus. Sobald die Tage heller werden, wandern die Jungpflanzen an die Fenster und kommen dann problemlos ohne Lampe aus.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Tomaten erfolgreich vorziehen auf der Fensterbank
Aussaat – so vermeidet ihr Schimmel von Anfang an
Füllt die Schale nur zu zwei Dritteln, legt die Samen etwa einen halben Zentimeter tief hinein, drückt sie leicht an und deckt alles dünn mit Spielsand oder normalen, sauberen Sand ab. Anschließend vorsichtig mit der Sprühflasche anfeuchten – mehr braucht es nicht.
Saatreihen beschriften – so behaltet ihr den Überblick
Gerade bei mehreren Gemüsesorten ist es wichtig, die Saatreihen zu kennzeichnen, damit ihr beim Vereinzeln oder Umsetzen nicht durcheinanderkommt. Praktische Ideen: Holzstäbchen (z. B. Eis- oder Kaffeerührstäbchen) mit Permanentmarker, wiederverwendbare Kunststoff-Stecker, Weinkorken auf Spießen oder beschriftetes Kreppband für Töpfe und Schalen.
Ausführlich Tipps und kreative Varianten zum Beschriften eurer Pflanzen findet ihr in unserem ausführlichen Blogartikel.
Optional: Keimung in 5–7 Tagen beschleunigen
Wenn ihr eine gekaufte Anzuchtschale habt, ist oft ein Deckel dabei – den könnt ihr direkt als Mini-Gewächshaus nutzen. Bei recycelten Schalen aus Gemüseverpackungen klappt es genauso gut mit Folie als einfachem Ersatz: einfach die Schale in einen Gefrierbeutel stellen, einmal Luft hineinblasen und verschließen. So entsteht hohe Luftfeuchtigkeit, und bei 22–25 °C keimen die Samen deutlich schneller.
Die besten Fensterplätze (Süd-, Ost-, Westfenster)
Ein Südfenster liefert viel Licht, kann aber ab April schnell zu warm werden – dann hilft Lüften oder ein wenig Beschattung. Ein Ostfenster sorgt für gleichmäßiges Morgenlicht und ist für die Anzucht oft die angenehmste Lösung. Auch Westfenster funktionieren gut, solange es dort nicht zu heiß wird. Oder ihr verwendet eine LED Pflanzenlampe, um die Lichtmenge zu erhöhen. Siehe auch Brauche ich eine LED Pflanzenlampe?
Gießen & Düngen
Haltet die Erde gleichmäßig feucht, aber niemals richtig nass. Wir düngen in der Anzuchtphase gar nicht, sondern topfen die Pflanzen nach drei bis vier Wochen direkt in nährstoffreichere Erde um. Wer dennoch leicht düngen möchte, wartet bis vier echte Blattpaare da sind und gibt dann eine sehr milde Brennnesseljauche oder etwas verdünnten Kaffeesatz in das Gießwasser.
Pikieren – ab wann und wie tief setzen
Sobald die Keimblätter vollständig da sind und die ersten echten Blätter erscheinen, pikieren wir. Die Jungpflanzen setzen wir bis knapp unter die Keimblätter tief ein – so bilden sie am Stängel zusätzliche Wurzeln und stehen später stabiler.
Wichtig: Nach dem Pikieren nicht mehr abdecken! Sonst entsteht schnell Schimmel auf der Erde. Stattdessen nur von unten gießen und regelmäßig lüften, bis die Pflanzen groß genug sind zum Abhärten ab Mai.