Tomatensorten für die Oberpfalz: 24 Sorten im Praxis-Test
- Beitrag vom 24.12.2025
- Jahreszeit FEB-OKT
- Sorten gesamt 24
- Fleischtomaten 7
- Flaschentomaten 5
- Salattomaten 5
- Cocktail- & Spezialtomaten 7
Tomaten gehören bei uns einfach dazu. Auf unseren 100 m² in der Oberpfalz sind über die Zeit 24 verschiedene Tomatensorten durchs Beet gegangen – von saftigen Fleischtomaten über Flaschen- und San-Marzano-Typen bis hin zu süßen Cherrytomaten.
Ein Teil hat uns richtig überrascht, anderes ist wieder rausgeflogen. Inzwischen haben wir unsere verlässlichen Lieblingssorten gefunden, die bei unserem Wetter gut mitmachen. Und weil wir trotzdem neugierig bleiben, kommt pro Saison mindestens eine neue Sorte als Experiment dazu.
In diesem Beitrag findet ihr eine Übersicht aller Tomatensorten, die bei uns im Garten standen – nach Typ sortiert und mit den Erfahrungen, die im Alltag wirklich zählen: Geschmack, Ertrag, Robustheit und wie viel Arbeit sie machen. Wenn ihr in einer ähnlichen Lage gärtnert, könnt ihr euch daran gut orientieren.
Tomatensorten: Wuchsformen, Fruchtmerkmale & Typen
Bevor wir zu den einzelnen Tomatensorten kommen, hier eine kurze Übersicht der gängigsten Tomaten-Typen und ihrer Merkmale. So wisst ihr besser, worauf ihr bei der Sortenauswahl achten müsst und welche Sorte am besten zu euch passt.
Die Bezeichnungen folgen meist zwei unabhängigen Kategorien: Wuchsform (wie die Pflanze wächst) und Fruchtmerkmale (Größe, Form, Konsistenz und wofür die Früchte am besten taugen). Häufig sieht man große Fleischtomaten als Stabtomaten und viele Balkon-/Naschtomaten als Buschsorten – aber das ist keine feste Regel. Eine Sorte kann zum Beispiel eine Stabtomate sein und trotzdem Cherry-Früchte tragen (und umgekehrt gibt es auch kompakte Sorten mit größeren Früchten).
Wuchsform (Wachstumsverhalten der Pflanze)
Stabtomaten (auch Ranktomaten oder indeterminiert): Sie wachsen unbegrenzt in die Höhe (oft 2–4 m), bilden laufend neue Triebe und Fruchtstände und brauchen deshalb eine stabile Rankhilfe. Damit sie nicht „verbuschen“, werden sie in der Regel ausgegeizt (Seitentriebe entfernen). Das sichert einen hohen Ertrag über die Saison.
Busch- und Strauchtomaten bleiben deutlich kompakter (je nach Sorte etwa 30 bis 150 cm). Sie verzweigen sich stärker und hören irgendwann auf, immer weiter in die Höhe zu wachsen. Für euch ist das praktisch, wenn ihr Tomaten im Topf, auf dem Balkon oder an einer geschützten Hauswand anbauen wollt – oft kommen sie mit wenig oder sogar ohne Stütze aus.
Fruchtmerkmale (Form, Größe & Verwendung)
Hier geht’s vor allem um die Frucht: Wie groß sie wird, wie sie geformt ist und ob sie eher zum Naschen, für Salat oder fürs Einkochen gedacht ist. Für den schnellen Überblick ist die Tabelle unten am praktischsten.
| Bezeichnung | Fruchtgröße/Gewicht | Form | Typische Eigenschaften & Verwendung | Beispiele |
|---|---|---|---|---|
| Fleischtomaten (auch Beefsteak- oder Ochsenherz-Tomaten) | Groß bis riesig (100–1000+ g) | Rund, oft gerippt/herzförmig | Viel Fruchtfleisch, wenige Kerne, saftig-aromatisch; für Scheiben (Burger, Salate), Füllen, Grillen | Ochsenherz, Brandywine, Ananas |
| Flaschentomaten (auch Roma-, San-Marzano- oder Eiertomaten) | Mittel (60–150 g) | Länglich, flaschen-/eiförmig | Fest, wenig Saft/Kerne, mehlig; super für Soßen, Einkochen, Trocknen | San Marzano, De Berao |
| Salattomaten | Mittel (80–200 g) | Meist rund, glatt, saftig | Klassische „Allzweck“-Tomaten für frischen Verzehr; Standard im Supermarkt, gute Balance aus Saft und Aroma | Moneymaker, Harzfeuer, Matina |
| Cocktailtomaten | Klein-mittel (20–60 g) | Rund oder oval | Süß-fruchtig, etwas größer als Cherry; Snack, Salate, Füllen | Primabella, Justens Süße |
| Datteltomaten | Klein-mittel (20–50 g) | Stark länglich, spitz zulaufend | Untergruppe der Flaschen-/Cocktailtomaten, sehr süß; extrem süß, oft getrocknet oder als Snack | Dattelwein, Honey Moon |
| Cherrytomaten (Kirschtomaten) | Sehr klein (bis 20 g) | Meist rund, manchmal oval | Sehr süß, aromatisch, saftig; ideal zum Naschen, Salate, Deko | Black Cherry, Baby Boomer |
| Wildtomaten | Sehr klein (heidelbeergroß, 5–20 g) | Rund oder oval | Ursprüngliche Arten/Kreuzungen, robust, intensives Aroma; oft buschig wachsend, für Freiland | Johannisbeertomate, Rote Murmel |
| Balkon-/Kübeltomaten | Klein bis mittel | Rund oder oval, oft Cherry/Cocktail-Größe | Speziell für kleine Räume gezüchtet (oft kompakt + kleine bis mittlere Früchte); meist Busch-Wuchs, hängend oder kompakt | Tumbling Tom, Balconi Red, Tiny Tim |
Reifezeit: Früh, Mittel oder Spät?
In unseren Tabellen findet ihr bei jeder Sorte eine Reifezeit. Das ist keine millimetergenaue Wissenschaft, sondern eine praktische Orientierung: gemeint sind grob die Tage ab dem Auspflanzen ins Freiland bis zur ersten reifen Ernte.
Wichtig: Die Werte schwanken je nach Jahr und Standort – ein warmer, sonniger Platz ist oft mehrere Wochen „schneller“ als eine kühle Ecke. Auch Anzucht, Pflanzdatum, Nährstoffversorgung und wie viel Regen die Pflanzen abbekommen, spielen bei der Ausreifung mit rein. Darum nutzen wir hier eine einfache Einteilung, wie sie ähnlich auch in gängigen Übersichten zu finden ist.
Früh: ca. 52–69 Tage – ideal, wenn ihr eine kurze Saison habt oder einfach schnell die ersten Tomaten wollt.
Mittel: ca. 70–84 Tage – der solide Kompromiss, viele Sorten landen hier.
Spät: ab ca. 85 Tagen – oft sehr aromatisch und groß, aber in kühlen Lagen auch etwas riskanter, wenn der Herbst früh kalt und nass wird.
🍅 Fleischtomaten
Wenn es um richtig saftige, große Früchte geht, führt kein Weg an Fleischtomaten vorbei. Die bringen locker 200 bis 800 Gramm pro Frucht auf die Waage. Bei uns landen die vor allem in der Küche: für Soßen, Passata, Salsa oder zum Einkochen. Gleichzeitig wollen diese Sorten Wärme und Sonne. Bei uns in der Oberpfalz klappt das am besten an einem sehr sonnigen Platz.
| Sorte | Eigenschaften & Erfahrungen | Reifezeit | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Ochsenherz ★ Unser Favorit |
Der Klassiker unter den Fleischtomaten. Bei uns werden die Früchte bis zu 600 Gramm schwer, manchmal sogar mehr. Das Fruchtfleisch ist fest, mit wenig Kernen und einem ausgewogenen süß-säuerlichen Geschmack. Die Pflanze wächst kräftig, braucht aber eine gute Stütze – bei dem Gewicht knicken schwache Triebe schnell ab. Bei viel Regen mögen die großen Früchte eher einen regengeschützten Platz, sonst platzen sie schneller. Wir ziehen sie Mitte Februar vor und pflanzen nach den Eisheiligen ins Freiland. | Spät | Samenfest Freiland Gewächshaus (wenn vorhanden) |
| Saint-Pierre ★ Unser Favorit |
Französische alte Sorte mit sehr gutem Geschmack. Die Früchte sind leicht gerippt und werden 120-150 Gramm schwer. Saint-Pierre braucht etwas länger zum Reifen, aber der Geschmack ist intensiv fruchtig mit perfekter Balance. Eine unserer Lieblingssorten für den Frischverzehr. Die Sorte ist einigermaßen robust, die Früchte haben eine etwas dickere Schale. Wir haben eigenes Saatgut davon und bauen sie jedes Jahr an. | Mittel | Samenfest Besonders süß |
| Black Krim | Stammt ursprünglich von der Krim und gehört zu den dunkelsten Tomatensorten überhaupt. Fast schwarzrot bis rotbraun-violett, wenn sie reif ist. Der Geschmack ist komplex – süß-würzig mit leichter Säure. Bei uns trägt sie zuverlässig, auch wenn der Sommer mal nicht mitspielt. Die Früchte wiegen zwischen 200 und 350 Gramm. Wichtig: Black Krim braucht Wärme für die volle Farbentwicklung, sonst bleibt sie grünlich-braun. Die Schale ist dünn, das Fruchtfleisch weicher – gut für Soßen und Suppen, aber auch im Salat. Für die Oberpfalz zu 'anspruchsvoll'. | Mittel | Samenfest Gewächshaus (wenn vorhanden) |
| Brutus | Eine niederländische Züchtung, die wir wegen ihrer Robustheit schätzen. Brutus ist weniger anfällig für Braunfäule als andere Fleischtomaten. Die Früchte sind gleichmäßig rund, wiegen etwa 200-300 Gramm und haben einen ausgewogenen Geschmack. Nicht spektakulär, aber zuverlässig – selbst in verregneten Sommern haben wir noch geerntet. Gut für Einsteiger. | Früh | Hybrid Krankheitsresistent |
| Marmande | Die Marmande-Tomate ist eine alte französische Fleischtomate, die sich seit vielen Jahren bewährt hat. Sie bringt flachrunde, oft gerippte Früchte hervor, die tiefrot abreifen und je nach Pflanze ordentlich Gewicht auf die Waage bringen. Geschmacklich ist sie saftig und fruchtig, angenehm süß mit einer feinen Säure – genau die Art Tomate, die man gerne frisch isst. Das Fruchtfleisch ist weich und zart, die Schale eher dünn. Und genau das war bei uns der Haken: Nach Regen hat sie bei uns schnell Risse bekommen. Uns hat sie nicht überzeugt. | Früh | Samenfest Gewächshaus |
| Herodes | Eine Fleischtomate ähnlich der Ochsenherz. Herodes bildet ovale, leicht gerippte Früchte um 120 - 300 Gramm. Sie gilt als recht robust, sollte bei viel Regen aber trotzdem eher regengeschützt stehen, damit die großen Früchte nicht aufplatzen. Der Geschmack ist kräftig-würzig, fast schon intensiv. Wir fanden sie etwas zu klein im Vergleich zu anderen Fleischtomaten, aber das ist Geschmackssache. | Mittel | Samenfest Regengeschützt |
| Cherokee Purple | Eine alte amerikanische Sorte mit dunkelroter bis bräunlich-violetter Farbe. Das Besondere ist der intensive, leicht rauchige Geschmack – fast schon würzig. Die Früchte sind etwas kleiner als beim Ochsenherz (200-300g), dafür reifen sie früher. Cherokee Purple ist wärmeliebend und hat Probleme mit kühleren Nächten, was sie für die Oberpfalz weniger interessant macht. Platzt bei Starkregen oder zu viel Feuchtigkeit leicht auf. | Mittel | Samenfest Freiland Früh reifend |
🍅 Flaschentomaten
Für Tomatensoße, Sugo oder Tomatenmark gibt es nichts Besseres. Roma-, San-Marzano- und andere Flaschentomaten haben festes Fleisch, wenig Kerne und wenig Wasser. Das spart Zeit beim Einkochen und gibt intensiven Geschmack. Viele Flaschentomaten wachsen bei uns auch im Freiland – am zuverlässigsten an einem warmen, gut belüfteten und möglichst regengeschützten Platz.
| Sorte | Eigenschaften & Erfahrungen | Reifezeit | Merkmale |
|---|---|---|---|
| San Marzano ★ Unser Favorit |
Der italienische Klassiker für Pizza und Pasta-Sauce aus Süditalien. Längliche Früchte mit wenig Saft, viel Fruchtfleisch, dicker Schale und geringer Anzahl an Kernen. Bei uns werden sie etwa 8-12 cm lang und 80-120 Gramm schwer. Fruchtiges Aroma mit intensivem Geschmack. San Marzano wächst auch im Freiland gut. Wir bauen sie jedes Jahr an – meist 10-12 Pflanzen – und verarbeiten alles zu Tomatensauce. Eine Pflanze bringt bei uns etwa 2-3 Kilo Ertrag. Wuchshöhe bis 2 Meter. | Mittel | Samenfest Freiland |
| San Marzano 2 ★ Unser Favorit |
Eine Auslese aus unseren eigenen San Marzano Pflanzen. Über die Jahre haben wir immer von den besten Pflanzen Samen genommen. Das Ergebnis: Früchte, die etwas größer sind (bis 100g) und noch fester im Fleisch. Der Geschmack ist konzentrierter als beim Original. Diese Linie ist perfekt an unser Oberpfälzer Klima angepasst und trägt auch in kühleren Jahren zuverlässig. | Früh | Samenfest Freiland |
| Scatolone 3 | Eine italienische Dosentomate – wie der Name schon sagt (Scatolone = große Dose). Noch größer und fleischiger als San Marzano, mit Früchten bis 120 Gramm. Das Fruchtfleisch ist fast trocken, perfekt für Soßen ohne langes Einkochen. Bei uns wächst Scatolone sehr hoch und braucht stabile Rankhilfen. Die Reifezeit ist etwas später als bei San Marzano, dafür ist der Ertrag höher. | Spät | Samenfest Hoher Ertrag |
| Purple Russian | Nicht zu verwechseln mit Black Krim – Purple Russian ist heller, eher rosa-violett. Die Früchte sind mittelgroß (200-250g) und haben einen süßlich-milden Geschmack ohne viel Säure. Perfekt für Leute, die keine sauren Tomaten mögen. Die Pflanze bleibt kompakter als andere Fleischtomaten, was bei wenig Platz praktisch ist. | Früh | Samenfest Früh reifend |
| Andenhorn | Eigentlich eine Paprika-Tomate – keilförmig, länglich mit einer spitzen Nase, 8-15 cm lang. Perfekt zum Füllen! Das Fruchtfleisch ist fest und hat wenig Saft, wenige Kerne, dünne weiche Schale – ideal zum Verarbeiten. Andenhorn wächst sehr hoch (2-3 Meter) und trägt bis in den Oktober hinein. Die einzelnen Früchte sind mit 100-200 Gramm eher leicht für eine Fleischtomate, dafür kommt richtig viel Ertrag pro Pflanze. Geschmack feinwürzig und fruchtig-süß. Pflegeaufwand durchs Ausgeizen hält sich in Grenzen. | Mittel | Samenfest Hoher Ertrag |
🍅 Salattomaten
Das ist unsere Ernteversicherung im Garten. Mittelgroße Früchte zwischen 80 und 150 Gramm, die für alles taugen – Salat, Brot, Kochen. Die meisten Salattomaten sind robuster als klassische Fleischtomaten und tragen zuverlässiger.
| Sorte | Eigenschaften & Erfahrungen | Reifezeit | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Resibella ★ Unser Favorit |
Eine Sorte mit hoher Resistenz gegen Kraut- und Braunfäule. Die Früchte sind eher klein bis mittelgroß (ca. 50g), fest und haben eine gute Lagerfähigkeit. Resibella geschmacklich nicht so intensiv wie Ochsenherz oder St. Pierre, aber wenn diese schon längst von der Fäule befallen sind, trägt sie noch wochenlang. Unser Erntegarant für wasserreiche, kühle Sommer. | Früh | Samenfest Krankheitsresistent |
| Tamina | Eine deutsche Züchtung (ursprünglich aus der ehemaligen DDR) aus den 1970ern. Tamina gilt als robust und kommt auch mit kühleren Temperaturen gut zurecht – das ist bei unserem Wetter Gold wert. Die Früchte sind gleichmäßig rund, meist etwa 40-90 Gramm schwer und haben einen typisch tomatigen Geschmack – nichts Besonderes, aber solide. Gute Wahl für Einsteiger. | Früh | Samenfest Robust |
| Atol | Eine polnische Sorte, die in Deutschland relativ selten zu bekommen ist. Sie verträgt extreme Temperaturschwankungen gut was sie für die Oberpfalz mit kalten Nächten im Frühherbst perfekt macht. Atol bildet runde, rote Früchte um 90 Gramm mit festem Fleisch. Der Geschmack ist mild-süßlich. Die Pflanze bleibt kompakt (100 cm) und eignet sich auch für Kübel auf der Terrasse. | Früh | Samenfest Freiland |
| Hellfrucht | Eine deutsche alte Sorte mit hellroten bis rosa Früchten. Hellfrucht schmeckt sehr mild und süß, fast ohne Säure. Perfekt für Kinder oder alle, die keine sauren Tomaten mögen. Die Früchte sind rund und liegen je nach Jahr ungefähr bei 80-110 Gramm und haben weiches Fruchtfleisch. | Früh | Samenfest Krankheitsresistent |
| König Humbert | Eine alte Tomatensorte, deren Herkunft nicht eindeutig ist – oft als italienisch (König Umberto), manchmal auch als französisch oder deutsch angegeben. Dattelförmige, rote Früchte, 5-7 cm groß (je nach Standort grob 80-150 Gramm), aromatisch im Geschmack. König Humbert gilt als robust und kann auch in kühleren, feuchten Jahren noch tragen – bei uns klappt sie am besten, wenn sie luftig steht und nicht ständig nass geregnet wird. Braucht gleichmäßige Wassergaben und ausreichend Nährstoffe. | Mittel | Samenfest Freiland Gewächshaus (wenn vorhanden) |
🍅 Cherry- und Cocktailtomaten
Klein, aber fein – und meistens unglaublich süß. Cherrytomaten sind bei uns die ersten, die reifen und die letzten, die aufhören zu tragen.
Cocktailtomaten sind klein, aromatisch und meistens ziemlich dankbar im Anbau. Sie passen gut in Kübel und liefern viele Früchte zum Naschen – genau das, was im Sommer ständig „nebenbei“ vom Strauch verschwindet.
Cherrytomaten sind eine Nummer kleiner (oft bis 20 g pro Frucht) und häufig besonders süß. Im Alltag werden Cocktail und Cherry oft in einen Topf geworfen – wir sehen es aber so: Cherry ist eher „Bonbon-Größe“, Cocktail mehr „Snack-Größe“.
| Sorte | Eigenschaften & Erfahrungen | Reifezeit | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Bajaja ★ Unser Favorit |
Eine Sorte, die uns überzeugt hat. Die Pflanzen werden etwa 50 cm hoch, müssen nicht ausgegeizt werden und eignen sich perfekt für einen Balkonkasten oder einen Blumentopf. Die Bajaja trägt außergewöhnlich viele Früchte, früh und lange. Runde, kleine, rote Früchte um die 10 Gramm. Der Geschmack ist ausgewogen mit angenehmer Säure. Unsere Lieblings-Naschtomate | Früh | Samenfest |
| Zuckertraube Cherry Tomate | Eine Standard-Cherrytomate. Die Früchte sind klein (15-25g), rund und rot. Der Geschmack ist intensiv süß mit leichter Säure – perfekt zum Naschen. Eine Pflanze trägt bei uns etwa 2-3 Kilo Früchte und wächst bis zu 2 Meter hoch. Cherry wächst auch problemlos im Kübel auf dem Balkon. Die Pflanze ist sehr robust und verzeiht auch mal ein paar Tage ohne Wasser. | — | Samenfest Hoher Ertrag Besonders süß |
| Primabella | Eine robuste Freilandtomate mit festen, lagerfähigen kräftig-roten Früchten in Rispen. Die Früchte sind eher klein (oft 30-50 Gramm) mit süß-saurem Aroma und eignen sich gut für den Frischverzehr. Primabella gilt als sehr tolerant gegenüber Kraut- und Braunfäule (keine Garantie, aber ein spürbarer Vorteil in feuchten Sommern). Mittelfrüh, wüchsig. | Mittel | Samenfest Freiland Gewächshaus (wenn vorhanden) |
| Justens Süße | Eine ertragreiche Cocktailtomate (oft auch als Justens Zuckertomate im Handel). Die kleinen, runden, roten Früchte sitzen in langen Rispen und sind sehr süß – an richtig sonnigen Standorten sogar „bonbon-süß“. In der Oberpfalz wird sie bei kühlen, grauen Sommern spürbar weniger süß, deshalb funktioniert sie bei uns am besten regengeschützt. | Früh | Samenfest Besonders süß Gewächshaus (wenn vorhanden) |
🍅 Wildtomaten
Wildtomaten sind die robusten Überlebenskünstler. Sie sind weniger „Zucht auf perfekte Optik“, dafür oft erstaunlich tolerant, wenn das Wetter mal wieder macht, was es will. Im Gegenzug sind die Früchte meist klein – dafür hängen oft richtig viele am Strauch.
| Sorte | Eigenschaften & Erfahrungen | Reifezeit | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Wildtomate gelb | Eine echte Wildtomate mit winzigen, gelben Früchten (etwa erbsengroß). Der Geschmack ist süß mit leichter Säure. Die Pflanze wächst wie Unkraut, bis zu 3 Meter hoch und breit und sät sich von selbst aus. Sie wächst im Freiland ohne jegliche Pflege. Die Wildtomate gelb ist bei uns sehr tolerant gegenüber Krankheiten. Perfekt für naturnahe Gärten oder als Versuchspflanze, wenn ihr mal schauen wollt, wie Tomaten ursprünglich gewachsen sind. | Früh |
Samenfest Freiland Krankheitsresistent |
Wildtomaten haben auf dem Papier alles, was man sich wünschen kann: ursprünglich, extrem robust und deutlich toleranter gegen Braun- und Krautfäule als viele Zuchtsorten. Kleine Früchte, großer Überlebenswille. Und genau hier beginnt unsere ganz persönliche Wildtomaten-Geschichte – leider keine Liebesgeschichte.
Diese Sorte war für uns das Fiasko schlechthin im Tomatenbeet. Fangen wir mit dem Positiven an, denn das gibt es durchaus: Wir haben noch keine Tomate erlebt, die so widerstandsfähig war. Braun- und Krautfäule? Bei uns hat sie damit keinerlei Probleme gezeigt. Dazu trägt eine einzelne Pflanze Unmengen an Früchten. Rein biologisch betrachtet ein kleines Wunder.
Im Gartenalltag sieht das Ganze dann allerdings anders aus. Die Früchte sind winzig – eher Johannisbeere als Tomate – und so weich, dass sie beim Ernten regelrecht zerplatzen. Was auf den ersten Blick niedlich wirkt, wird schnell mühsam. Dazu kommt ein Kraut, das keine Grenzen kennt. Es wächst, wuchert und legt sich über alles, was ihm zu nahekommt. Andere Pflanzen haben dabei wenig zu melden.
Und dann wäre da noch ihr größtes Talent: das Überleben. „Wächst auch unter schwierigen Bedingungen“ klingt harmlos, bedeutet bei dieser Sorte aber vor allem eines – sie sät sich selbst aus. Überall. Zwei Jahre lang tauchten in unserem Garten an den unmöglichsten Stellen Tomatenpflanzen auf. Nach einem Winter, den wir durchaus als hart bezeichnen würden. Nicht vereinzelt, nicht ein paar Ausreißer – sondern Hunderte!
Wildtomaten sind beeindruckend, keine Frage. Aber für uns haben sie gezeigt, dass Robustheit allein nicht reicht. Manchmal ist weniger Wildnis im Beet einfach mehr Gartenfreude.
🍅 Spezialsorten
Selbst bei uns fallen manche Tomaten manchmal aus dem Rahmen – sei es durch ihre Farbe, Form oder besondere Eigenschaften. Hier sind zwei getestet Spezialsorten:
| Sorte | Eigenschaften & Erfahrungen | Reifezeit | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Ananori | Ananori ist eine alte Fleischtomatensorte mit hervorragendem Geschmack und außergewöhnlicher Optik. Die großen, flachrunden Früchte wiegen meist über 200 g und sind je nach Reife grün-, gelb- und rot marmoriert. Wegen ihrer dünnen, empfindlichen Schale eignet sich Ananori besonders für den Frischverzehr. Sie bevorzugt einen sonnigen, regengeschützten Standort – und war damit in unserem Freilandklima leider nicht ideal. Außerdem machte die grünliche Grundfarbe mit gelben und roten Streifen es schwer zu erkennen, wann die Früchte wirklich reif sind. | Früh | Samenfest Besonders süß |
| Indigo Blue Beauty | Eine Fleischtomate mit spektakulärer Optik. Die Früchte sind auf der Sonnenseite dunkelblau bis fast schwarz, die Schattenseite bleibt rot. Dieser Effekt entsteht durch Anthocyane – die gleichen Stoffe, die Heidelbeeren blau färben. Indigo Blue Beauty schmeckt fruchtig-süß mit leichter Säure, die Früchte wiegen etwa 100–300 Gramm. Auf dem Teller ist sie ein Hingucker – zum Einkochen finden wir sie aber nicht ideal, weil man später schwer unterscheiden kann, ob sich etwas „Blaues“ gebildet hat oder ob es einfach die Indigo Blue Beauty ist. | Mittel | Samenfest Gewächshaus (wenn vorhanden) Besonders süß |
🍅 Warum die Wahl der 'richtigen' Tomatensorten schlaflose Nächte verursachen kann
Wer einmal ernsthaft „die richtige Tomatensorte“ gesucht hat, weiß: Das ist kein Einkauf, das ist ein kleiner Identitäts-Test. Man startet harmlos („eine fürs Freiland, eine fürs Gewächshaus“) und endet drei Tabs später bei Namen wie Tumbling Tom, Baby Boomer, Tschernij Prinz, Pandorino, Tigerella oder Oh Happy Day. Klingt nach Popfestival, nicht nach Gemüsebeet. Und als Hobbygärtner steht man dann da und denkt: Was bitte soll mir „Baby Boomer“ sagen? Wird die Pflanze früher fertig? Wird sie riesig? Oder ist das einfach nur ein Etikett, das sich gut verkauft? Was sagt mir so ein Name wirklich über Geschmack, Ertrag oder Robustheit?
Wie viele Tomatensorten gibt es eigentlich und wozu?
Zur Größenordnung: Es gibt mehr als 10.000 Tomatensorten (Cultivars) – und das ist noch nicht mal „alles“, sondern nur das, was dokumentiert, gehandelt oder gesammelt wurde.
Und wozu braucht die Welt 10.000 Tomatensorten? Nun ja, weil Namen heute oft Marketing sind, nicht Information. „Tumbling Tom“ ist wenigstens noch halb ehrlich: das klingt nach „hängt/kippt“ und passt zu Ampel-/Hängetomaten. Aber „Oh Happy Day“ oder „Baby Boomer“ transportiert vor allem Stimmung. Das ist Absicht: In Saatgutkatalogen konkurriert nicht nur eine Pflanze mit einer Pflanze, sondern ein Versprechen mit einem Versprechen. Und emotionale Namen sind leichter zu merken als „determinant, 65 Tage, 40–60 g, tolerant gegen…“.
Außerdem wird bei „Sortenwahl“ oft eine „Erfolgsgarantie“ suggeriert. Die Wahrheit ist: Tomaten sind ein Zusammenspiel aus Mikroklima, Standort, Regen/Blattnässe, Boden, Düngung, Topfgröße, Ausgeiz-Disziplin und ja: der Sorte. Wenn ein Hersteller so tut, als würde eine Sorte alle Probleme lösen, kauft man schnell – und ärgert sich später oft.
Welchen Zweck verfolgt das ganze Vielfaltschaos?
- Marketing: Ein Name soll Aufmerksamkeit erregen und Interesse wecken.
- Unterscheidbarkeit im Regal (online wie offline): Ein Name muss hängen bleiben.
- Storytelling: „Schwarzer Prinz“ verkauft sich anders als „dunkle Salattomate“.
- Recht & Markt: Gerade bei modernen Züchtungen sind Handelsnamen/Markennamen ein Instrument, um Sorten zu positionieren und zu schützen, auch wenn im Hintergrund eine offizielle Sortenbezeichnung existiert.
Was heißt das für eure Sortenwahl?
Unser Weg aus dem Namenschaos ist simpel: Wir schauen zuerst auf Zweck und Rahmenbedingungen (Freiland/Topf, Regen, Reifezeit, Küche) – und erst danach auf den Namen. Genau daraus leitet sich das Fazit ab: Nicht „die perfekte Sorte“ suchen, sondern eine kleine Mischung, die zu euren Bedingungen passt.
Fazit: Welche Sorten sollen wir euch empfehlen?
Wenn ihr euch von den Namen nicht verrückt machen lasst, bleibt eine klare Frage übrig: Was muss eine Sorte bei euch leisten? Genau danach würden wir auswählen – nicht nach dem klangvollsten Etikett.
Worauf solltet ihr euch bei der Auswahl konzentrieren?
Diese Kriterien entscheiden wirklich – unabhängig vom Namen:
- Wuchsform & Aufwand Busch (kompakt, meist weniger Ausgeizen) vs. Stab (lange Saison, mehr Pflege, mehr Platz).
- Reifezeit Früh ist in kühlen Lagen oft die Ernteversicherung. Späte Sorten lohnen sich, wenn euer Standort ihnen Zeit gibt.
- Einsatz in der Küche Soße: flaschenförmig/fest. Salat/Brot: saftiger. Naschen: Cherry/Cocktail (oft süß und platzfest).
- Krankheitsdruck Bei feuchten Sommern zählt Robustheit mehr als „exotische“ Optik.
- Standortrealität Kübel ≠ Beet, Balkon ≠ Folientunnel. Entscheidend ist, was bei euch wirklich möglich ist.
Wenn ihr danach auswählt, wird aus „Sortenchaos“ eine überschaubare Liste. Nicht jede Sorte passt in jeden Garten – und das ist völlig okay.
Ihr müsst nicht „die perfekte Sorte" finden. Ihr braucht eine kleine, sinnvolle Mischung, die eure Risiken abfängt. Praktisch heißt das: Statt 12 exotischen Namen lieber 3–5 Sorten, die jeweils einen klaren Job haben (z.B. eine frühe robuste, eine fürs Naschen, eine fürs Kochen, eine „Lieblingssorte" für den Geschmack). Dann wird aus der Sortensuche wieder das, was sie sein sollte: Vorfreude auf das kommende Gartenjahr.
Unsere persönliche Top-Auswahl: Was wir jedes Jahr anbauen
Das sind die Sorten, die wir jedes Jahr anbauen – passend zu unserem Oberpfälzer Garten mit Lehmboden und oft nassen, kühlen Sommern.
Wir haben Platz für etwa 60 Tomatenpflanzen im Garten – alles im Freiland, ohne Dach oder Gewächshaus. Die Auswahl unserer Sorten richtet sich klar danach, wofür wir die Ernte brauchen: Wir kochen jedes Jahr möglichst viele Gläser Tomatensauce ein – deshalb brauchen wir vor allem große Mengen an Fleischtomaten mit viel Fruchtfleisch und wenig Wasser. Für unsere neapolitanische Holzofenpizza soll es außerdem eine reine San-Marzano-Sauce sein. Und weil wir im Freiland anbauen und es in der Oberpfalz immer wieder nasse Sommer gibt, setzen wir zusätzlich auf besonders robuste Sorten gegen Kraut- und Braunfäule – damit wir am Ende auch wirklich genug zum Einkochen ernten können und natürlich ein paar Cherrys zum Naschen zwischendurch. Die folgende Kombination hat sich für uns die letzten Jahre bewährt:
- San Marzano: Unsere Hauptsorte für Tomatensauce. Saftig, wenig Wasser, perfektes Verhältnis von Fruchtfleisch zu Kernen.
- Ochsenherz: Große, fleischige Früchte, ideal für eine dicke Soße.
- St. Pierre: Eine Tomate mit tollem Geschmack für sommerliche Gerichte.
- Resibella: Unsere Versicherung gegen Krautfäule. Nicht die geschmacklich beste, aber wenn andere Sorten ausfallen, trägt sie noch.
- Bajaja Tomate: Für den täglichen Naschbedarf. Süß, ertragreich und unkompliziert.
Wichtig ist: Probiert aus, was bei euch funktioniert. Jeder Garten ist anders, jedes Jahr ist anders. Was bei uns gut wächst, kann bei euch schon wieder ganz anders sein. Deshalb sammeln wir von unseren Lieblingssorten immer eigenes Saatgut – so passen sich die Pflanzen Jahr für Jahr besser an unsere Bedingungen an.
Habt ihr Erfahrungen mit anderen Sorten? Oder Fragen zu einer bestimmten Tomate? Schreibt uns gerne – wir tauschen uns immer gerne über Tomatensorten aus!