Roggenmischbrot mit Sauerteig backen – auch im Holzofen

  • Beitrag vom 02.12.2025
  • Jahreszeit IMMER
  • Technikgrad Spezial
  • Kosten DIY ~ 60% - 80% billiger
  • Regional 100%

Ein richtig gutes Roggenmischbrot mit Sauerteig – am besten aus dem Holzofen, aber natürlich auch im normalen Ofen – ist nichts, was man mal eben „so nebenbei“ hinkriegt. Ganz ehrlich: Die ersten Versuche werden ein Wechselbad der Gefühle. Mal wird der Laib zu flach, mal zu blass, mal zu dunkel, oder er ist innen noch nicht ganz durch. Dann klappt es plötzlich einmal und man denkt: Jetzt hab ich’s! – nur damit beim nächsten Versuch wieder irgendetwas Unerwartetes passiert.

Aber mit jedem Backtag wird’s besser. Ihr lernt euren Ofen kennen, euren Sauerteig, das richtige Timing – und irgendwann liegt da plötzlich ein Laib vor euch, der aussieht wie früher beim Dorfbäcker: dunkel & knisternd. Außen eine kräftige Kruste und innen die saftige, dunkle Krume mit ihrem leicht säuerlichen Aroma – so muss Brot schmecken! Brot, das satt macht, zufrieden, und das man am liebsten noch warm anschneidet, nur mit etwas Butter drauf.

Hier kommt das Rezept, das ich seit Jahren backe – zuerst im Elektroofen, inzwischen im Holzofen im Garten. Mit ein wenig Übung ist es unkompliziert, braucht nur wenige Zutaten und funktioniert in beiden Öfen. Wenn ihr Lust habt, ein paar Runden zu üben und hin und wieder zu fluchen – dann kann es jetzt losgehen...

Roggenmischbrot mit Sauerteig – wie früher im Dorfbackofen


Früher war das Brotbacken noch ein richtiges Ereignis. In vielen Dörfern stand ein gemeinschaftlicher Backofen – meist aus dicken Steinen gemauert, mit rußgeschwärztem Gewölbe und einer schweren Eisenklappe. Wer backen wollte, musste sich anmelden, das Holz rechtzeitig schichten und dann hieß es: früh aufstehen, Feuer machen, warten, schieben.

Wenn der Ofen richtig heiß war, kam das Brot hinein – meist große, runde Laibe, kräftig im Geschmack, mit dicker Kruste und saftiger Krume. Jeder hatte sein eigenes Rezept, oft über Generationen weitergegeben. Gebacken wurde nicht für den Tag, sondern gleich für die ganze Woche – und trotzdem war das Brot am Ende noch gut. Warum? Weil es aus nur wenigen aber guten Zutaten bestand, mit Zeit und echter Handarbeit gemacht wurde – und vor allem mit Sauerteig – dem Herzstück des Brotes.

Der Roggensauerteig – Herz und Seele deines Brotes


Ein gutes Roggenmischbrot steht und fällt mit dem Sauerteig. Er bringt die Tiefe, das leicht säuerliche Aroma und sorgt dafür, dass die Krume schön saftig und locker wird – alles ganz ohne Industriehefe. Wenn ihr schon einen aktiven Sauerteig im Kühlschrank stehen habt: perfekt, dann könnt ihr sofort loslegen.

Falls nicht, hier die Reihenfolge, wie ich es machen würde:

  1. Am allerbesten: lebendiges Anstellgut von anderen Leuten
    Fragt einfach im Freundeskreis, bei Kollegen oder in der Familie nach Roggensauerteig. Wer regelmäßig backt, hat fast immer ein Glas zu viel und gibt gern 20–30 g ab. Das ist der schnellste und beste Start – oft ist so ein Ansatz schon 'jahrealt' und gibt dem Brot sofort Charakter.
  2. Kleinanzeigen & „Zu verschenken“-Gruppen
    Dort findet ihr Leute, die Anstellgut loswerden wollen. Kostenlos, regional, und meist sogar mit nettem Kontakt und ein paar Tipps dazu.
  3. Bioladen oder kleine Bäckerei
    Einfach mal höflich fragen. Viele haben ein Glas hinter der Theke stehen und geben gern ein paar Löffel mit.
  4. Selber ansetzen
    Dauert 3 Tage, ist aber kinderleicht. Ich habe dazu einen separaten Beitrag geschrieben: Sauerteig einfach selber machen: In 3 Tagen backbereit.
  5. Getrockneter Sauerteig (z. B. Mynatura Roggensauerteig)
    Praktisch, wenn ihr sofort loslegen wollt. Ich selbst habe damit noch keine Erfahrung, aber viele schwören drauf – der Geschmack soll solide sein, nur eben nicht diese lebendige, eigene Note, die ein echter Ansatz mit der Zeit bekommt.
  6. Flüssiger Sauerteig aus der Tüte – bitte lieber lassen
    Den habe ich vor Jahren mal ausprobiert. Auf der Verpackung stand zwar „Sauerteig“, aber man musste trotzdem noch Hefe dazugeben, damit überhaupt irgendetwas aufgeht. Das Brot war danach ein richtig harter, kompakter Stein – nicht einmal mit dem Brotmesser ging’s vernünftig durch. Geschmacklich war es seltsam künstlich-säuerlich, fast wie billige Essenz. Das Geld solltet ihr euch einfach sparen und auf die anderen Alternativen zurückgreifen.

Kurz gesagt: Holt euch, wenn irgendwie möglich, ein paar Löffel von jemandem, der schon länger backt. Das spart euch Tage und das Brot schmeckt von Anfang an. Der Sauerteig wird dann eh mit der Zeit und jedem Backtag mehr zu „Eurem“.

Die wichtigsten Begriffe beim Backen mit Roggenmehl und Sauerteig


  1. Anstellgut
    Kleiner Rest vom letzten Sauerteig, den ihr im Kühlschrank aufbewahrt. Quasi die „Mutter“ für jedes neue Brot – Kleine Mengen (etwa 25 g) reichen völlig.
  2. Sauerteig
    Das, was ihr aus Anstellgut + Mehl + Wasser frisch ansetzt. Beim Roggenbrot meist 8–16 Stunden vorher. Der sorgt für Geschmack und Trieb.
  3. Stockgare (auch Stückgare genannt)
    Die erste Ruhephase nach dem Kneten, bis sich der Teig fast verdoppelt hat.
  4. Endgare (oder Gare im Körbchen)
    Die zweite Ruhephase, nachdem der Laib geformt im Gärkörbchen liegt.
  5. Schwaden
    Wasserdampf im Ofen in den ersten 10–15 Minuten. Macht die Kruste dünn und lässt das Brot nochmal schön aufspringen.

Das war’s auch schon – mehr müsst ihr eigentlich gar nicht wissen. Der Rest kommt mit der Übung von allein.

Wann ist das Brot fertig – und wann darf ich es endlich anschneiden?


Fertig ist es, wenn die Kruste richtig dunkel geworden ist – tief goldbraun, aber noch nicht verbrannt. Klopft mal von unten drauf: klingt es schön hohl, als wäre da nur Luft drin, dann ist es perfekt.

Und jetzt kommt der schwere Teil: Warten.

Kaum ist das Brot draußen, riecht die ganze Küche wie früher beim Bäcker im Dorf. Man möchte sofort eine dicke Scheibe abschneiden, Butter drauf, bisschen Salz – und reinbeißen. Aber glaubt mir: Wenn ihr jetzt schneidet, wird die Krume klebrig, das Messer verklebt und ihr habt hinterher nur Krümel und ein explodiertes Brot.

Deshalb immer mindestens zwei Stunden, auf dem Gitter auskühlen. Dann hat sich alles schön gesetzt, die Kruste wird richtig knackig und das Schneiden klappt wie von selbst.

Ein frisches Roggenbrot zu schneiden ist sowieso eine Kunst. Selbst mit dem schärfsten Brotmesser bricht die Kruste manchmal an den falschen Stellen, die Scheiben werden dicker als geplant – das ist völlig normal. In richtigen Bäckereien gibt’s deshalb vormittags oft nur halbe oder viertel Laibe zu kaufen; die dünnen Scheiben kommen erst nachmittags, wenn das Brot abgekühlt ist und „mitmacht“.

Kleiner Trick, falls das Messer trotzdem wieder vollklebt: Spüllappen klatschnass machen, eng um die Klinge wickeln, zwei Minuten warten – danach geht alles problemlos ab.

Roggenbrot aufbewahren und einfrieren – so bleibt’s richtig gut


Am Backtag, wenn das Brot frisch aus dem Holzofen kommt, gibt es für uns nichts Besseres als eine echte bayerische Brotzeit: Radieschen und Schnittlauch aus dem Garten, frische selbstgemachte Butter, Obatzda und dicke, noch lauwarme Scheiben Roggenbrot – mehr braucht es nicht für einen perfekten Moment.

Wir backen an einem Backtag immer zuerst fünf Wurzelbaguettes und anschließend vier Roggenmischbrote. Das Brot für den direkten Verzehr kommt nach dem Auskühlen auf einen Glasteller und wird mit einer umgedrehten Glasschüssel abgedeckt. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hält das Brot auch fünf bis sechs Tage lang frisch und saftig – ganz ohne Plastik, Alufolie oder andere Wegwerfverpackungen. Die übrigen Brote wandern in den Gefrierschrank, sodass wir immer ausreichend Brot im Haus haben.

Einfrieren? Funktioniert super!

Ich schneide das komplett abgekühlte Brot meist in Viertel (ihr könnt auch halbieren, ganz lassen oder schon Scheiben schneiden – ganz wie ihr wollt) und stecke es dann in einen Gefrierbeutel. So habe ich immer genau die Menge, die ich brauche.

So wird’s wieder wie frisch gebacken:

  • Schnellste Variante: Gefrorene Scheiben direkt in den Toaster – 2–3 Minuten und fertig, außen knusprig, innen weich.
  • Beste Variante für größere Stücke: Gefrorenes Viertel oder halbes Brot kurz unter kaltes Wasser halten, bis die Kruste rundherum leicht feucht ist. Direkt in den kalten Ofen auf die mittlere Schiene legen. Umluft 200 °C einstellen, Zeitschaltuhr auf 20 Minuten (Viertel Brot) bzw. 30 Minuten (halbes Brot) bzw. 30–35 Minuten (ganzes Brot). Rausnehmen – und ihr habt wieder genau dieses „gerade aus dem Ofen“-Gefühl: Kruste knistert, Krume dampft und es ist schwer zu widerstehen.

Mit diesem Vorgehen haben wir immer frisches Brot im Haus – und wenn einmal spontan Besuch vorbeikommt, können wir in 20 Minuten einen warmen Laib auf den Tisch stellen. Funktioniert jedes Mal.

Häufige Fragen - Roggenbrot backen


Was tun, wenn der Teig zu klebrig ist?

Roggenmischteig ist immer etwas klebrig – das gehört dazu. Wenn er aber so klebrig ist, dass er sich kaum formen lässt, einfach ganz vorsichtig und in kleinen Portionen noch etwas von dem zusätzlichen Weizenmehl unterkneten, bis er sich gerade eben bändigen lässt. Aber wirklich nur so viel wie nötig – zu viel Mehl macht das Brot später trocken und weniger aromatisch.

Warum geht mein Roggenmischbrot nicht richtig auf?

Roggenmischbrot geht generell nicht so stark auf wie Weizenbrot – das ist normal. Wenn es aber sehr flach bleibt, kann das verschiedene Ursachen haben: Zu wenig Wasser im Teig, zu kurzes Kneten, zu kurze Gare oder zu niedrige Backtemperatur.

Kann ich das Rezept auch mit Vollkornmehl machen?

Ja, das funktioniert. Allerdings wird das Brot dadurch etwas dichter und schwerer. Am besten zunächst nur einen Teil des Roggenmehls durch Vollkornmehl ersetzen und schauen, wie es euch schmeckt.

Wie bekomme ich eine knusprige Kruste?

Eine knusprige Kruste bekommt ihr durch hohe Backtemperaturen (250–270 °C) und das Schwaden in den ersten 10 Minuten des Backens. Der Dampf sorgt dafür, dass die Kruste länger elastisch bleibt und sich schön entwickeln kann.

Kann ich auch nur Roggenmehl nehmen?

Rein mit Roggenmehl zu backen ist möglich, aber anspruchsvoller. Roggenmehl enthält weniger Gluten als Weizen, was die Teigstruktur beeinflusst. Das Ergebnis ist oft dichter und weniger luftig. Wenn ihr es ausprobieren möchtet, empfehle ich, einen höheren Anteil Sauerteig zu verwenden und die Hydration (Wassermenge) anzupassen, um die Teigkonsistenz zu optimieren.

Wie lange hält sich Anstellgut im Kühlschrank?

Wenn ihr euer Sauerteig-Anstellgut im Kühlschrank aufbewahrt, hält es sich in der Regel etwa 1 bis 2 Wochen ohne Füttern. Danach solltet ihr es auffrischen, um die Hefen und Milchsäurebakterien aktiv zu halten. Für längere Pausen könnt ihr das Anstellgut auch einfrieren oder trocknen.

Noch mehr Fragen rund um Sauerteig?

Schaut mal in unsere große Sauerteig-FAQ – dort beantworten wir die häufigsten Fragen rund um Sauerteig, Anstellgut und die Pflege: Sauerteig züchten und pflegen

Viel Spaß beim Nachbacken – und schreibt mir gern, wie es bei euch geworden ist!
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Sauerteig einfach selber machen

Noch kein eigenes Anstellgut? Zu diesem Roggenmischbrot gehört ein richtig guter, lebendiger Sauerteig – und den könnt ihr euch in drei Tagen selber ziehen. Nur Mehl, Wasser und ein bisschen Geduld. Wer erst mal mit eigenem Anstellgut backt, schiebt danach freiwillig nie mehr ein 08/15-Brot in den Ofen. Probiert’s einfach aus, lohnt sich.

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